Der Online-Handel boomt, und damit auch die rechtlichen Risiken. Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz müssen sich zunehmend der ADA (Americans with Disabilities Act) und der EAA (Equality Act for All) bewusst sein. Nicht nur in den USA, sondern auch in der EU. Ein nicht barrierefreier Checkout-Prozess kann zu teuren Klagen und Imageschäden führen. Dieser Artikel beleuchtet die vier häufigsten Barrierefreiheitsprobleme im WordPress-Checkout und bietet konkrete Lösungen – speziell für WordPress-Nutzer.
Warum Barrierefreiheit im WordPress-Checkout so wichtig ist
Viele Unternehmen denken, die ADA betreffe nur US-amerikanische Unternehmen. Das ist ein Irrtum. Die EAA, die auf den ADA basiert, ist in der EU bindend. Eine nicht barrierefreie Website kann gegen diese Gesetze verstoßen. Ein Beispiel: Ein blinder Kunde kann den Checkout nicht abschließen, weil die Formularfelder nicht korrekt beschriftet sind. Dies ist nicht nur unethisch, sondern auch rechtlich problematisch.
"Laut einer Studie von 2024 haben 61% der deutschen Online-Shopper angegeben, dass sie eine Website verlassen würden, wenn sie nicht barrierefrei ist."
Die WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) sind der internationale Standard für Barrierefreiheit. Die aktuelle Version, WCAG 2.2, definiert klare Erfolgskriterien, die erfüllt werden müssen. Die EAA 2026 basiert stark auf diesen Richtlinien.
Die 4 Häufigsten Probleme und Lösungen
1. Fehlende oder Unklare Formularbeschriftungen (Labels)
Ein häufiges Problem ist, dass Formularfelder im Checkout-Prozess – z.B. Adressfelder, Kreditkarteninformationen – keine korrekten Labels haben. Screenreader-Nutzer verlassen sich auf diese Labels, um zu verstehen, welche Informationen in welches Feld gehören.
WordPress-spezifische Lösung:
- Verwende das WordPress-Core-Formular-API: Das WordPress-Formular-API bietet Funktionen zur korrekten Beschriftung von Formularfeldern. Nutze diese, wenn du eigene Formulare erstellst.
- Prüfe Plugins: Wenn du ein Formular-Plugin wie Gravity Forms, WPForms oder Contact Form 7 verwendest, stelle sicher, dass die Labels korrekt konfiguriert sind. Die meisten Plugins bieten Optionen zur Anpassung von Labels.
- HTML-Struktur: Stelle sicher, dass deine Formulare semantisch korrekt aufgebaut sind. Verwende
<label>-Elemente, die mit den entsprechenden<input>-Feldern verknüpft sind. Beispiel:<label for="vorname">Vorname:</label><input type="text" id="vorname" name="vorname"> - ARIA-Attribute: In komplexeren Fällen, in denen die Standard-HTML-Struktur nicht ausreicht, kannst du ARIA-Attribute (Accessible Rich Internet Applications) verwenden, um zusätzliche Informationen für Screenreader bereitzustellen.
2. Mangelnder Kontrast und Schriftgröße
Unzureichender Farbkontrast zwischen Text und Hintergrund erschwert das Lesen für Menschen mit Sehbehinderungen. Zu kleine Schriftgrößen sind ebenfalls ein Problem.
WordPress-spezifische Lösung:
- Theme-Einstellungen: Viele WordPress-Themes bieten Optionen zur Anpassung von Farben und Schriftgrößen. Nutze diese, um sicherzustellen, dass der Kontrast ausreichend ist (mindestens 4.5:1 für normalen Text und 3:1 für große Textblöcke).
- CSS-Anpassungen: Wenn die Theme-Einstellungen nicht ausreichen, kannst du CSS-Anpassungen vornehmen, um Farben und Schriftgrößen zu ändern. Verwende die Entwicklerwerkzeuge deines Browsers, um den Kontrast zu überprüfen.
- Accessibility-Plugins: Es gibt WordPress-Plugins, die den Kontrast automatisch überprüfen und dir helfen, Farbpaletten zu erstellen, die den WCAG-Anforderungen entsprechen.
- Responsive Design: Stelle sicher, dass deine Website responsiv ist und die Schriftgröße auf kleineren Bildschirmen nicht zu klein wird.
3. Tastaturnavigation
Viele Websites sind so gestaltet, dass sie hauptsächlich mit der Maus bedient werden können. Menschen, die eine Tastatur verwenden, um zu navigieren, haben dann Schwierigkeiten.
WordPress-spezifische Lösung:
- Logische Tab-Reihenfolge: Stelle sicher, dass die Tab-Reihenfolge im Checkout-Prozess logisch und intuitiv ist. Die Tab-Reihenfolge sollte dem visuellen Fluss folgen.
- Sichtbare Fokus-Indikatoren: Wenn ein Element mit der Tastatur ausgewählt ist, sollte ein klar sichtbarer Fokus-Indikator angezeigt werden. Viele Themes verwenden standardmäßig einen unsichtbaren Fokus-Indikator. Passe dies im CSS an.
- ARIA-Attribute: Verwende ARIA-Attribute, um die Tastaturnavigation in komplexen Komponenten zu verbessern.
- Testen mit der Tastatur: Teste den Checkout-Prozess regelmäßig mit der Tastatur, um sicherzustellen, dass alle Elemente erreichbar sind.
4. Fehlende Alternativtexte für Bilder
Bilder im Checkout-Prozess – z.B. Logos, Icons – sollten Alternativtexte (alt-Attribute) haben. Diese Texte werden von Screenreadern vorgelesen und beschreiben den Inhalt des Bildes.
WordPress-spezifische Lösung:
- Media Library: Wenn du Bilder in die WordPress Media Library hochlädst, gib immer einen beschreibenden Alternativtext an.
- Code-Anpassungen: Wenn du Bilder direkt in den Code einfügst, stelle sicher, dass die
alt-Attribute korrekt gesetzt sind. - Themes: Viele Themes entfernen oder überschreiben die
alt-Attribute. Überprüfe, ob dies der Fall ist und passe den Code gegebenenfalls an. - Sinnvolle Alternativtexte: Vermeide generische Alternativtexte wie "Bild" oder "Logo". Beschreibe stattdessen den Inhalt des Bildes präzise.
"Ein gut beschriebener Alternativtext für ein Logo könnte lauten: 'Logo von [Firmenname] - ein stilisierter [Beschreibung des Logos]'"
Key Takeaways
- Barrierefreiheit ist nicht nur eine Frage der Ethik, sondern auch eine rechtliche Notwendigkeit.
- Die ADA und die EAA haben Auswirkungen auf Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
- Die vier häufigsten Probleme im WordPress-Checkout sind fehlende Formularbeschriftungen, mangelnder Kontrast, fehlende Tastaturnavigation und fehlende Alternativtexte für Bilder.
- WordPress-spezifische Lösungen umfassen die Verwendung des WordPress-Core-Formular-API, die Anpassung von Theme-Einstellungen, CSS-Anpassungen und die Verwendung von ARIA-Attributen.
- Accessio.ai bietet eine innovative Möglichkeit, diese Probleme direkt im Quellcode zu beheben und so eine nachhaltige Barrierefreiheit zu gewährleisten, im Gegensatz zu Overlay-Lösungen, die oft nur oberflächliche Verbesserungen bieten.
Next Steps
- Führe eine Barrierefreiheitsscan durch: Verwende ein Tool wie WAVE (Web Accessibility Evaluation Tool) oder Axe, um deine Website auf Barrierefreiheitsprobleme zu überprüfen.
- Engagiere einen Barrierefreiheitsexperten: Lasse deine Website von einem Experten überprüfen und Empfehlungen erhalten.
- Schule deine Mitarbeiter: Schule deine Mitarbeiter in den Grundlagen der Barrierefreiheit.
- Erwäge die Nutzung von Accessio.ai: Erforsche, wie Accessio.ai dir helfen kann, deine WordPress-Website barrierefrei zu gestalten und rechtliche Risiken zu minimieren.
- Bleibe auf dem Laufenden: Die WCAG-Richtlinien und die rechtlichen Anforderungen ändern sich ständig. Bleibe auf dem Laufenden und passe deine Website entsprechend an.
Barrierefreiheit ist ein fortlaufender Prozess. Durch die Umsetzung dieser Schritte kannst du sicherstellen, dass deine WordPress-Website für alle zugänglich ist und du rechtlichen Risiken vermeidest.