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Mobile Accessibility 2026: Warum 90% der Apps Grundlegende Standards Verfehlen

Die mobile Nutzung ist heute allgegenwärtig. Millionen Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz greifen täglich auf Apps zu – doch für einen...

ATAccessio Team
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Die mobile Nutzung ist heute allgegenwärtig. Millionen Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz greifen täglich auf Apps zu – doch für einen erschreckend hohen Anteil an ihnen sind diese Apps nicht zugänglich. Warum ist das so, und was können Entwickler dagegen tun? Dieser Artikel beleuchtet die Gründe für das Versagen vieler Apps bei der Einhaltung grundlegender Barrierefreiheitsrichtlinien und bietet praktische Lösungen.

Die erschreckende Statistik: 90% der Apps scheitern

Aktuelle Studien zeigen, dass rund 90% der mobilen Apps grundlegende WCAG-Richtlinien (Web Content Accessibility Guidelines) nicht erfüllen. Das bedeutet, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung – Menschen mit Sehbehinderungen, Hörbehinderungen, motorischen Einschränkungen oder kognitiven Beeinträchtigungen – von diesen Apps ausgeschlossen wird.

Diese Zahl ist nicht nur alarmierend, sondern auch ein rechtliches und ethisches Problem. Die Behindertenausgleichsgesetzgebung (BafaG) in Deutschland, das Behindertengesetz in Österreich und die Schweizerische Personenmeldepflicht setzen Unternehmen zunehmend dazu verpflichtet, digitale Angebote barrierefrei zu gestalten. Zukünftig wird der Fokus noch stärker auf die Einhaltung dieser Gesetze liegen, insbesondere im Rahmen des EAA 2026 (European Accessibility Act 2026).

Warum Mobile Accessibility so oft scheitert

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum mobile Apps die grundlegenden Barrierefreiheitsstandards verfehlen. Viele davon sind auf mangelndes Wissen, fehlende Ressourcen oder falsche Prioritäten zurückzuführen.

1. Mangelndes Bewusstsein und Wissen

Ein wesentlicher Faktor ist das fehlende Bewusstsein für die Bedeutung von Barrierefreiheit bei Entwicklern und Designern. Viele betrachten Barrierefreiheit als eine nachträgliche „Nice-to-have“-Funktion, anstatt als integralen Bestandteil des Entwicklungsprozesses. Das Ergebnis sind Apps, die von vornherein nicht für alle Nutzer konzipiert sind.

2. Zeit- und Ressourcenmangel

Die Implementierung von Barrierefreiheit erfordert Zeit und Ressourcen. Viele Unternehmen sparen an diesen Ressourcen, um schneller auf den Markt zu kommen oder Kosten zu senken. Dies führt dazu, dass Barrierefreiheit oft vernachlässigt wird.

3. Falsche Annahmen und Überoptimierung für "normale" Nutzer

Oftmals gehen Entwickler davon aus, dass eine App, die für "normale" Nutzer gut funktioniert, auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich ist. Diese Annahme ist jedoch falsch. Barrierefreiheit erfordert eine bewusste Anpassung von Design und Code.

4. Komplexität der Plattformen und Frameworks

Die ständige Weiterentwicklung von mobilen Plattformen (iOS, Android) und Frameworks (React Native, Flutter) erschwert die Einhaltung von Barrierefreiheitsstandards. Entwickler müssen sich ständig über neue Richtlinien und Best Practices informieren.

5. Die Falle der Accessibility Overlays

Viele Unternehmen greifen auf sogenannte Accessibility Overlays zurück. Diese sind jedoch oft eine kurzfristige und ineffektive Lösung. Sie adressieren lediglich die Symptome, nicht die Ursachen von Barrierefreiheitsproblemen. Sie können sogar kontraproduktiv sein und die tatsächliche Zugänglichkeit verschlechtern.

Konkrete Beispiele für häufige Fehler

Hier sind einige konkrete Beispiele für häufige Barrierefreiheitsprobleme in mobilen Apps:

  • Fehlende Alternativtexte für Bilder: Menschen mit Sehbehinderungen verlassen sich auf Screenreader, um Inhalte zu verstehen. Ohne Alternativtexte bleiben Bilder für sie unsichtbar.
  • Unzureichender Farbkontrast: Eine schlechte Lesbarkeit aufgrund von zu geringem Farbkontrast erschwert das Lesen für Menschen mit Sehschwäche.
  • Mangelnde Tastaturnavigation: Apps, die nur mit dem Bildschirm berühren bedienbar sind, sind für Menschen mit motorischen Einschränkungen unzugänglich.
  • Fehlende Unterstützung für Screenreader: Screenreader sind essenziell für Menschen mit Blindheit. Apps, die diese nicht unterstützen, sind für diese Nutzer unbrauchbar.
  • Unklare Fokus-Indikatoren: Wenn der Fokus (z.B. bei der Navigation mit einer externen Tastatur) nicht klar erkennbar ist, ist die Bedienung für viele Nutzer schwierig.

Fallstudie: Ein Online-Shop scheitert

Ein großer Online-Shop in Deutschland wurde verklagt, weil seine App für Menschen mit Sehbehinderungen nicht zugänglich war. Die fehlenden Alternativtexte für Bilder und die mangelnde Unterstützung für Screenreader führten dazu, dass blinde Nutzer die Produkte nicht finden und kaufen konnten. Die Klage kostete das Unternehmen nicht nur Geld, sondern auch Reputation.

WCAG 2.2 und die Zukunft: WCAG 3.0

Die WCAG 2.2 ist der aktuelle Standard für Web-Barrierefreiheit und bietet detaillierte Richtlinien und Erfolgskriterien für die Gestaltung zugänglicher Inhalte. Diese Richtlinien sind auch für mobile Apps relevant. Die Entwicklung von WCAG 3.0 ist bereits im Gange und wird voraussichtlich noch mehr Fokus auf dynamische Inhalte und KI-gesteuerte Anwendungen legen.

WCAG 2.2 im Detail: Einige wichtige Punkte

  • 1.1.1 – Alternativtexte: Jedes nicht-textuelle Element muss einen Alternativtext haben, der den Inhalt und die Funktion des Elements beschreibt.
  • 1.4.3 – Kontrast (Mindestverhältnis): Der Kontrast zwischen Text und Hintergrund muss ausreichend sein.
  • 2.1.1 – Tastaturbedienelemente: Alle Funktionalitäten müssen über die Tastatur bedienbar sein.
  • 2.4.5 – Schriftgröße: Der Text muss in angemessener Größe dargestellt werden und darf nicht abgeschnitten werden.

Die Rolle von KI-gestützten Tools

Die Implementierung von Barrierefreiheit kann komplex und zeitaufwendig sein. Accessio.ai und andere KI-gestützte Tools können diesen Prozess erheblich vereinfachen. Diese Tools analysieren den Quellcode einer App und identifizieren automatisch Barrierefreiheitsprobleme. Im Gegensatz zu Overlays, die nur oberflächlich wirken, beheben KI-gestützte Tools die Probleme direkt im Code, wodurch die eigentliche Zugänglichkeit verbessert wird. Sie bieten auch Vorschläge zur Behebung dieser Probleme und helfen Entwicklern, ihre Apps barrierefrei zu gestalten.

Key Takeaways

  • Die aktuelle Situation der mobilen Barrierefreiheit ist besorgniserregend: 90% der Apps verfehlen grundlegende Standards.
  • Mangelndes Wissen, Ressourcenmangel und falsche Annahmen sind Hauptursachen für dieses Problem.
  • Die Einhaltung von WCAG 2.2 ist ein rechtliches und ethisches Gebot.
  • Accessibility Overlays sind keine nachhaltige Lösung.
  • KI-gestützte Tools wie Accessio.ai können den Barrierefreiheitsprozess vereinfachen und beschleunigen.
  • Barrierefreiheit ist kein nachträglicher Gedanke, sondern muss von Anfang an in den Entwicklungsprozess integriert werden.

Next Steps

  • Schulung: Investieren Sie in die Schulung Ihrer Entwickler und Designer in Bezug auf Barrierefreiheit.
  • Audits: Führen Sie regelmäßige Barrierefreiheitstests Ihrer Apps durch.
  • Tools: Nutzen Sie KI-gestützte Tools wie Accessio.ai, um den Barrierefreiheitsprozess zu automatisieren.
  • Feedback: Holen Sie Feedback von Menschen mit Behinderungen ein, um Ihre Apps zu verbessern.
  • WCAG 3.0: Informieren Sie sich über die kommenden Änderungen und Anforderungen von WCAG 3.0.
  • Zugänglichkeit von Anfang an: Integrieren Sie Barrierefreiheit in jeden Schritt des Entwicklungsprozesses.
Mobile Accessibility 2026: Warum 90% der Apps Grundlegende Standards Verfehlen | AccessioAI