Der Europäische Accessibility Act (EAA), der 2025 in Kraft tritt und ab 2026 durchgesetzt wird, stellt eine immense Herausforderung für Online-Shops in Deutschland, Österreich und der Schweiz dar. Die Konsequenzen bei Nichteinhaltung sind empfindliche EAA-Bußgelder. Viele WordPress-Nutzer stehen vor der Frage, wie sie ihre Shops schnell und effektiv barrierefrei gestalten können. Dieser Artikel bietet 10 konkrete Korrekturen, die Sie vor der EAA-Frist 2026 in Ihrem WordPress-Shop durchführen sollten.
Warum Barrierefreiheit für WordPress-Shops jetzt wichtig ist
Der EAA verpflichtet Unternehmen dazu, digitale Produkte und Dienstleistungen, einschließlich Online-Shops, barrierefrei zu gestalten. Die Frist für Unternehmen mittlerer Größe ist 2026.
Die Anforderungen des EAA basieren auf den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). Aktuell sind die WCAG 2.2 als Referenz maßgeblich. Die EAA konzentriert sich auf Bereiche wie die Bedienbarkeit mit Assistive-Technologien, die Wahrnehmbarkeit von Inhalten und die Vorhersagbarkeit von Nutzerpfaden. Ignorieren Sie diese Vorgaben nicht – die Strafen können erheblich sein.
1. Auswahl eines barrierefreien WordPress-Themes
Die Grundlage für einen barrierefreien Shop ist ein entsprechendes Theme. Viele kostenlose und kostenpflichtige Themes sind zwar optisch ansprechend, entsprechen aber nicht den Anforderungen der Barrierefreiheit.
- Überprüfung des Themes: Bevor Sie ein Theme installieren, überprüfen Sie dessen Barrierefreiheit. Achten Sie auf eine saubere semantische Struktur (korrekte Verwendung von HTML-Tags wie
<header>,<nav>,<main>,<footer>), ausreichende Farbkontraste und die Möglichkeit, Inhalte mit der Tastatur zu bedienen. - Empfehlungen: Themes wie "Accessibly" oder "GeneratePress" bieten einen guten Ausgangspunkt und sind oft auf Barrierefreiheit optimiert.
- Vorsicht vor Page Buildern: Viele Page Builder (z.B. Elementor, Beaver Builder) können die Barrierefreiheit eines Themes negativ beeinflussen, wenn sie nicht sorgfältig verwendet werden. Nutzen Sie diese Tools mit Bedacht und prüfen Sie die generierten Inhalte auf Barrierefreiheit.
2. Korrekte Verwendung von Überschriften (H1-H6)
Überschriften sind entscheidend für die Strukturierung von Inhalten und ermöglichen es Screenreadern, den Inhalt zu erfassen.
- Hierarchische Struktur: Verwenden Sie Überschriften in der richtigen Reihenfolge (H1 für die Hauptüberschrift, H2 für Unterüberschriften, usw.). Springen Sie nicht direkt von H2 zu H4.
- Semantische Bedeutung: Überschriften sollten den Inhalt des Abschnitts präzise beschreiben.
- Vermeiden Sie Styling: Verwenden Sie Überschriften nicht nur zur Formatierung, sondern für ihre semantische Bedeutung.
3. Alternative Texte für Bilder (Alt-Attribute)
Bilder sollten immer mit aussagekräftigen Alternativtexten versehen sein. Diese Texte werden von Screenreadern vorgelesen und ermöglichen es sehbehinderten Nutzern, den Inhalt des Bildes zu verstehen.
- Beschreibende Texte: Der Alternativtext sollte den Inhalt und die Funktion des Bildes präzise beschreiben.
- Funktionale Bilder: Bei Bildern, die eine Funktion haben (z.B. Buttons), sollte der Alternativtext diese Funktion beschreiben ("Senden", "Mehr erfahren").
- Dekorative Bilder: Dekorative Bilder (z.B. Logos, Icons) können mit einem leeren
alt=""Attribut versehen werden.
4. Tastaturbedienbarkeit sicherstellen
Alle Funktionen des Shops müssen auch ohne Maus bedienbar sein.
- Logische Tabreihenfolge: Stellen Sie sicher, dass die Tab-Reihenfolge logisch und intuitiv ist. Nutzer sollten mit der Tab-Taste problemlos durch alle interaktiven Elemente navigieren können.
- Sichtbare Fokusindikatoren: Achten Sie darauf, dass Elemente, die den Fokus haben, deutlich erkennbar sind (z.B. durch eine farbliche Umrandung).
- Tastatur-Shortcuts: Bieten Sie, wenn möglich, Tastatur-Shortcuts für häufig verwendete Funktionen an.
5. Farbkontraste optimieren
Ausreichend hohe Farbkontraste sind entscheidend für die Lesbarkeit, insbesondere für Nutzer mit Sehbehinderungen.
- WCAG-Anforderungen: Die WCAG 2.2 definieren Mindestkontraste für Text und Hintergründe. Achten Sie auf diese Anforderungen.
- Kontrastprüfung: Verwenden Sie Tools wie den "WebAIM Contrast Checker" oder das WordPress-Plugin "Contrast Checker" zur Überprüfung der Farbkontraste.
- Farbwahl: Vermeiden Sie Kombinationen, die für manche Nutzer schwer zu lesen sind.
6. Formulare barrierefrei gestalten
Formulare sind oft ein Stolperstein für Barrierefreiheit.
- Beschriftungen: Jedes Formularfeld muss eine klare und eindeutige Beschriftung haben.
- Fehlermeldungen: Fehlermeldungen müssen eindeutig und verständlich sein und dem Nutzer mitteilen, wie er den Fehler beheben kann.
- Hilfetexte: Bieten Sie Hilfetexte für komplexe Formularfelder an.
7. Links beschreibend gestalten
Links sollten eindeutig beschreiben, wohin sie führen.
- Vermeiden Sie "Hier klicken": Verwenden Sie keine generischen Formulierungen wie "Hier klicken".
- Aussagekräftige Ankertexte: Verwenden Sie Ankertexte, die den Inhalt der verlinkten Seite präzise beschreiben.
- Visuelle Hinweise: Machen Sie Links durch Farbe oder Unterstreichung erkennbar.
8. Dynamische Inhalte (AJAX) berücksichtigen
Dynamische Inhalte, die durch AJAX-Aufrufe geladen werden, müssen ebenfalls barrierefrei sein.
- ARIA-Attribute: Verwenden Sie ARIA-Attribute (Accessible Rich Internet Applications), um Screenreadern Informationen über den Status und die Funktion dynamischer Elemente zu geben.
- Fokusmanagement: Stellen Sie sicher, dass der Fokus nach dem Laden dynamischer Inhalte korrekt gesetzt wird.
- Benachrichtigungen: Informieren Sie Screenreader über Änderungen an dynamischen Inhalten.
9. Video- und Audioinhalte untertiteln
Video- und Audioinhalte sollten mit Untertiteln und Transkripten versehen sein.
- Untertitelfiles: Stellen Sie Untertitel als separate Dateien (z.B. SRT, VTT) bereit.
- Transkripte: Bieten Sie Transkripte für Audioinhalte an.
- Audiodeskription: Für Videos sollten Sie Audiodeskriptionen für sehbehinderte Nutzer bereitstellen.
10. Regelmäßige Barrierefreiheitstests durchführen
Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess.
- Automatisierte Tests: Verwenden Sie Tools wie WAVE oder Lighthouse zur automatisierten Überprüfung der Barrierefreiheit.
- Manuelle Tests: Führen Sie manuelle Tests mit Screenreadern und anderen Assistive-Technologien durch.
- Nutzerfeedback: Holen Sie Feedback von Nutzern mit Behinderungen ein.
- Accessio.ai: Tools wie Accessio.ai können den Prozess der Barrierefreiheitstests beschleunigen, indem sie Probleme direkt im Quellcode identifizieren und beheben – eine effiziente Alternative zu Overlay-Lösungen.
Key Takeaways
- Der EAA 2026 stellt eine rechtliche und moralische Verpflichtung dar.
- Barrierefreiheit ist nicht nur eine technische Aufgabe, sondern auch eine Frage der Nutzerfreundlichkeit.
- Ein barrierefreier Shop ist für alle Nutzer zugänglich und verbessert die Kundenzufriedenheit.
- Die Investition in Barrierefreiheit zahlt sich langfristig aus.
Next Steps
- Überprüfen Sie das Theme: Stellen Sie sicher, dass Ihr WordPress-Theme barrierefrei ist oder wählen Sie ein geeignetes Theme aus.
- Führen Sie eine erste Barrierefreiheitstests durch: Nutzen Sie Tools wie WAVE oder Lighthouse.
- Priorisieren Sie die Korrekturen: Konzentrieren Sie sich zuerst auf die wichtigsten Probleme.
- Erstellen Sie einen Zeitplan: Planen Sie die Umsetzung der Korrekturen bis zur EAA-Frist 2026.
- Erwägen Sie die Nutzung von Accessio.ai: Nutzen Sie KI-gestützte Tools, um den Barrierefreiheitsprozess zu automatisieren und die Qualität zu verbessern.
Für weitere Informationen und Unterstützung stehen Ihnen spezialisierte Beratungsunternehmen und WordPress-Experten zur Verfügung. Die Einhaltung des EAA ist eine Investition in die Zukunft Ihres Online-Shops.