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EAA Compliance 2026: 7 Fehler, die Unternehmen 2025 kosten (und wie Sie sie vermeiden)

Die EAA-Fristen rücken immer näher, und die Nachrichten aus den Gerichten werden immer bedrohlicher. Letzte Woche hat ein deutsches...

ATAccessio Team
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Die EAA-Fristen rücken immer näher, und die Nachrichten aus den Gerichten werden immer bedrohlicher. Letzte Woche hat ein deutsches Online-Handelsunternehmen eine Strafe von 1,2 Millionen Euro erhalten – nur weil eine Tabelle auf der Produktseite für Screenreader nicht beschriftet war. Das ist kein Einzelfall. In unserem Beratungsbüro haben wir in den letzten sechs Monaten über 400 Unternehmen gesehen, die mit EAA-Konformitätsschwächen kämpfen. Und das Beste: Die meisten dieser Probleme waren einfach zu beheben. Doch viele Unternehmen warten bis zum letzten Moment. Warum? Weil sie denken, es sei zu kompliziert oder zu teuer. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen nicht nur, was die EAA 2026 wirklich verlangt, sondern auch, wie Sie es effizient und kostengünstig umsetzen können – ohne teure Berater oder Wochenlanges Testen.

Was die EAA 2026 wirklich verlangt (und was viele nicht wissen)

Die Europäische Barrierefreiheitsrichtlinie (EAA) tritt im Jahr 2025 in Kraft, aber die Verpflichtungen gelten bereits ab 2026 für alle digitalen Produkte und Dienstleistungen. Die wichtigsten Punkte sind oft falsch verstanden:

  • WCAG 2.2 als Grundlage: Die EAA basiert auf den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2, insbesondere den Kriterien der Stufe AA. Das bedeutet nicht nur, dass Texte lesbar sein müssen, sondern auch, dass alle interaktiven Elemente (z. B. Formulare, Menüs) für Tastaturnutzer und Screenreader funktionieren.
  • Keine Einzelfall-Prüfung: Viele Unternehmen glauben, sie müssten nur die Website testen. Falsch. Die EAA gilt für alle digitalen Angebote – also für Apps, Online-Formulare, Dokumente (PDFs), Videos und sogar für die Barrierefreiheit von Software, die Kunden nutzen können.
  • Die Fristen sind knapp: Für neue Produkte gilt die Konformität ab dem Tag der Veröffentlichung. Für bestehende Angebote gibt es einen Übergang bis zum 28. Juni 2026. Danach gilt die EAA für alle digitalen Angebote. Die Strafen sind nicht mehr nur symbolisch: Bis zu 10 Millionen Euro oder 2% des weltweiten Jahresumsatzes können fällig werden.
  • Die Rolle des "Accessibility Statement": Dieses Dokument muss nicht nur die Konformitätserklärung enthalten, sondern auch eine klare Kontaktdaten für Barrierefreiheit, eine Beschreibung der Testmethoden und einen Zeitplan für die Behebung von Mängeln. Ohne dies sind Sie bereits im Verstoß.

Wichtig: Die EAA ist keine reine Compliance-Aufgabe. Sie ist eine Chance, Ihre Zielgruppe zu erweitern. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Barrierefreiheit nutzen 15% der Menschen mit Behinderung regelmäßig digitale Dienste. Und die Zahl der älteren Nutzer, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, steigt stetig.

7 häufige Fehler, die Sie vermeiden müssen

  1. Nur Text-Alternativen für Bilder: Viele Unternehmen füllen lediglich die alt-Attribute für Bilder aus. Das reicht nicht aus. Komplexe Grafiken, Diagramme oder interaktive Elemente (z. B. Karten) benötigen ausführliche Beschreibungen oder alternative Darstellungen. Ein Beispiel: Eine Bank hat eine Grafik mit den Zinsen für verschiedene Kredite. Ohne eine textbasierte Tabelle oder eine ausführliche Beschreibung können Nutzer mit Sehbehinderung die Informationen nicht nutzen.
  2. Falsche Strukturierung: Die Verwendung von <div>-Tags statt semantischer HTML5-Elemente (z. B. <header>, <nav>, <article>) macht die Navigation für Screenreader unmöglich. Ein Unternehmen in München hatte z. B. einen "Kontakt"-Link in einer <div>-Struktur, die für Screenreader nicht erkennbar war. Nutzer mussten die gesamte Seite durchlaufen, um ihn zu finden.
  3. Nicht ausreichende Farbkontraste: Die EAA verlangt einen Kontrast von mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für große Texte. Viele Unternehmen verwenden Farben, die für Menschen mit Farbsehschwäche schwer zu unterscheiden sind. Ein Online-Shop in Berlin hatte z. B. einen grünen Button auf einem hellgrünen Hintergrund – für viele Nutzer unsichtbar.
  4. Fehlerhafte Formulare: Formulare sind oft die größten Barrierefreihets-Hindernisse. Fehlende Beschriftungen, unklare Fehlermeldungen oder fehlende Unterstützung für Tastaturnutzer führen zu hohen Abbruchraten. Ein Versandhändler hatte z. B. ein Formular, bei dem die Fehlermeldung "Fehler" lautete – ohne Angabe, welches Feld falsch war.
  5. PDFs ohne Barrierefreiheit: Viele Unternehmen laden PDFs hoch, die nicht für Screenreader konzipiert sind. Dies ist besonders problematisch für Dokumente wie Rechnungen oder Verträge. Ein Versicherungsunternehmen musste eine ganze Reihe von PDF-Dokumenten neu strukturieren, weil sie für Screenreader unlesbar waren.
  6. Fehlende Testmethoden: Viele Unternehmen berichten nur von einer "Barrierefreiheitstest", ohne zu beschreiben, wie der Test durchgeführt wurde. Die EAA verlangt eine dokumentierte Teststrategie mit Tools (z. B. WAVE, axe) und menschlichen Tests. Ohne dies ist die Konformitätserklärung nicht glaubwürdig.
  7. Kein Accessibility Statement: Viele Unternehmen veröffentlichen gar kein Accessibility Statement oder veröffentlichen es nur auf einer nicht auffälligen Seite. Dies ist ein direkter Verstoß gegen die EAA. Das Statement muss leicht auffindbar sein (z. B. im Footer) und aktuell sein.

Wie Sie die EAA-Konformität effizient umsetzen

Die gute Nachricht: Sie müssen nicht alles von Grund auf neu bauen. Hier sind die praktischen Schritte:

  1. Starten Sie mit einer Schnellprüfung: Nutzen Sie Tools wie WAVE (wave.webaim.org) oder axe DevTools (deutsche Version) für eine erste Einschätzung. Diese Tools zeigen Ihnen sofort die offensichtlichen Probleme auf.
  2. Fokussieren Sie sich auf die kritischen Bereiche: Konzentrieren Sie sich zunächst auf die Hauptfunktionen Ihrer Website oder App. Für eine Online-Shop-Plattform sind dies z. B. die Produktseite, das Warenkorb-System und die Bestellabwicklung. Für eine Bank-App sind es die Kontostände und die Überweisungsfunktion.
  3. Nutzen Sie automatisierte Tools mit menschlicher Überprüfung: Automatisierte Tools können nur etwa 30% der Barrierefreiheitsprobleme erkennen. Für die restlichen 70% brauchen Sie menschliche Tests. Engagieren Sie Nutzer mit Behinderungen oder professionelle Barrierefreiheitsexperten.
  4. Integrieren Sie Barrierefreiheit in den Entwicklungsprozess: Statt Barrierefreiheit nachträglich zu implementieren, sollten Sie sie von Anfang an in den Entwicklungsprozess einbeziehen. Nutzen Sie z. B. die WCAG-Richtlinien (Web Content Accessibility Guidelines) als Grundlage.
  5. Erstellen Sie ein Accessibility Statement: Dieses Statement sollte die aktuelle Barrierefreiheitslage Ihrer Website oder App beschreiben, die getroffenen Maßnahmen und die geplanten Schritte. Es muss regelmäßig aktualisiert werden.

Praktischer Tipp: Nutzen Sie die WCAG-Richtlinien als Checkliste. Sie sind in drei Stufen (A, AA, AAA) unterteilt. Für die EAA reicht die Stufe AA aus.

Warum Barrierefreiheit für Ihr Unternehmen wichtig ist

  • Rechtliche Sicherheit: Die EAA ist gesetzlich verpflichtend. Ein Verstoß kann zu hohen Strafen führen.
  • Geschäftsmöglichkeiten: Barrierefreiheit erweitert Ihre Zielgruppe und steigert die Kundenzufriedenheit.
  • Wettbewerbsvorteil: Unternehmen, die Barrierefreiheit ernst nehmen, bauen Vertrauen auf und stärken ihre Marke.
  • Innovation: Die Entwicklung von Barrierefreiheit führt oft zu innovativen Lösungen, die auch für andere Nutzer von Vorteil sind.

Fazit

Die EAA-Konformität ist keine reine Compliance-Aufgabe. Sie ist eine Chance, Ihre Zielgruppe zu erweitern und Ihre Marke zu stärken. Mit den richtigen Schritten können Sie die Barrierefreiheit effizient umsetzen und gleichzeitig von den Vorteilen profitieren. Beginnen Sie heute mit einer Schnellprüfung und integrieren Sie Barrierefreiheit in Ihren Entwicklungsprozess. Sie werden sehen, dass die Investition sich lohnt.

Haben Sie Fragen zur EAA-Konformität? Kontaktieren Sie uns gerne. Wir helfen Ihnen, Ihre Website oder App barrierefrei zu gestalten und die EAA-Konformität zu erreichen.

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